Dienstag, 11. August 2015

ausgetickt

bin ich heute.

Es war alles tooo much.

Irgendwas mache ich falsch im Leben. Ich habe das Gefühl zu schaffen, schaffen, schaffen.... und irgendwie kommt nix bei rum.

Bei der Arbeit kann ich das Gefühl noch am bestens verknusen. Wobei ich schon manchmal Aggressionen bekomme, gerade z.B. wenn der Lohnzettel kommt und ich mir klar mache, daß man auch ein halbes Professorengehalt haben kann, ohne sich wesentlich anwesend zu zeigen.

Zuhause gibt´s den üblichen Frust, den wahrscheinlich jede Haushalt führende Person kennt. Es hört nie auf. Wir haben ja seit ein paar Wochen eine Putzfrau. Zunächst war ich sehr angetan, aber mittlerweile hat sie intern den Namen "Kaputzfrau" bekommen, weil ihr schon soviel kaputt gegangen ist. sie hat nur noch nie was gesagt. Meine fachpraktische Prüfung Kunstabitur ist z.B. kaputt, im angeblich unkaputtbaren Spülbecken ist eine Macke, die definitiv nicht von mir kommt, Einen Soalrhubschrauber, von Monsieur hat sie kaputt gemacht....
Da  die Putzfrau Schwanger ist, hat sich das Thema auch ganz bald von alleine erledigt.

Die Wäscheberge. Aktuell ist meine Montur jeden Abend so verschwitzt und mit Salzrändern versehen, daß ich nix zweimal anziehen kann. Bei den Kindern ist es nicht viel besser...ewiges Thema - nervt sehr!

Die Kaninchen. Ich hab sie echt lieb die zwei. Aber sie machen einen Haufen Arbeit und Dreck. Man muss geeignete Betreuung für die Ferien finden etc. pp.

Die Kinderlein. Ich glaube in punkto Selbstständigkeit habe ich erzieherisch vollständig versagt. Mehr sage ich nicht dazu.

Der Garten, er leidet diese Jahr sehr. Schuld daran ist mein Marathontraining, was mir quasi die wenigen möglichen Gartenstunden raubt.

Der Garten um´s Haus ist eine Katastrophe. Ich glaube ich hatte das schon mal thematisiert, daß Teamwork und Ästhetik nicht zu den Stärken meines Vaters gehören.

Aktuell sind die Kinder im Ferienprogramm, was sie super toll finden. Morgens müssen wir um kurz nach 8 losradeln. 8 km ins den Schlossgarten. Leider führt der Weg durch viele sehr autofrequentierte Strassen, ich muss also immer voll konzetriert sein, was insbesondere Monsieur auf seinem Fahrrad treibt. Aktuell frage ich mich, wann er endlich sicher links und rechts unterscheiden kann ;-). ZUrück geht es erst um halb 5 wieder. Das ist der Autoverkehr auch nicht weniger, aber dafür die Kinder schon platter ;-)


Wenn ich die Kinder abgegeben habe, kann ich arbeiten gehen. Im Büro hat es gefühlte 40 Grad und 99 % Luftfeuchte. Ich bin nicht besonders produktiv, sollte aber sehr produktiv sein. Es häuft sich alles zu unüberwindbaren Stapeln.

Heute dachte ich mir, bin ich klug und gehe in der Mittagspause laufen. Immerhin bin ich ganz und gar nicht im Trainingssoll. Also bin ich losgejoggt durch den Hardtwald, der von strahlenförmig angeordneten Wegen durchzogen ist. Prinzipiell sieht es aber alles sehr gleich aus. Schon einmal habe ich mich mit dem Fahrrad ganz fürchterlich dort verfahren. Heute habe ich mich verlaufen. Sicherlich hätte ich den Weg auch einfach zurückjoggen können, aber nach 11 km in eine Richtung wollte ich eigentlich eine elegante Schleife laufen, die dann aber doch nicht so elegant wurde. Zum Schluss hatte ich 20 km in den Knochen und vor allem die stetige Angst, daß eines der Wildschweine, die zu Hauf rechts und links der Wege alles zerwühlen, plötzlich vor mir steht. Tatsächlich ist nur ein Bussard so nah an mir vorübergeflogen, daß ich den Luftzug gespürt habe. Normalerweise sehe ich die immer nur oben am HImmel kreisen oder aber den einen morgens auf dem Poller auf meinem Arbeitsweg sitzen. Daß die so elegant zwischen den Bäumen umherfliegen, war mir nicht so richtig bewusst.

Nach dem Laufen habe ich kurz geduscht und hab mich wieder an den Schreibtisch gesetzt. Immernoch mäßig produktiv. Dann war auch schon ganz schnell viertel vor 4 und für mich Zeit noch schnell neue Wanderschuhe zu kaufen. Meine sind nach 15 Jahren so verschlissen, daß der Schuster sie auch nicht mehr richten wollte. Ich bin zum Glück schnell fündig geworden und auch noch rechtzeitig bei den Kindern im Schlossgarten angekommen.

Die waren wieder sehr begeistert und haben erzählt und erzählt. Der Heimweg hält immer zum Schluss noch den Berg bereit, auf dem wir wohnen und da habe ich die 20 km  und die mittlerweile 25 km mit dem Rad dann doch gespürt.  Und weil ich mich kenne und weiß, daß ich in solchen Situationen des Unterzuckers und der Erschöpfung schnell mal pampig werde und Kochen zur Herausforderung wird, habe ich zuhause, wo noch meine Schwester mit ihrer Tochter und mein Vater mit seiner Lebensgefährtin im Garten im Megachaos saßen, vorgeschlagen, ein paar Pizzen zu holen.

Ja , die anderen wären auch dabei.
Ich wollte die Nummer der Pizzeria schnell im Internet nachschauen, musste feststellen, daß mein Internet nicht mehr geht. Ich hänge an einem Router mit meinem Vater. Der kommt seit Tagen mit seinem Rechner nicht ins WLAN und hatte da heute rumgebastelt. Ich musste noch dringend zwei mails beantworten und wurde ein wenig besorgt, wie ich das denn machen solle. Aber die Pizza hatte Vorrang. Angerufen, bestellt und wieder aufs Rad gestiegen und wieder den Berg runter ( d.h. später auch wieder rauf).

Als ich zurückkam war ich völlig alle. Die Lebensgefärhtin meines Vaters hatte netterweise den Tisch gedeckt.

Ich sah noch kurz nach den Hasen, weil ich ein bißchen Grünfutter noch vom Weg mitgebracht hatte. Und das kleine Häschen, was sonst immer angerannt kommt, sobald es mich sieht und mir auch drinnen gerne zwischen den Füßen rumwuselt saß verschreckt in der Höhle.

Ob was gewesen sei, ob jemand bei den Hasen war. Nö nichts, wäre gewesen. Vor dem Hasenstall lagen Zwiebelschalen !?! Innendrin war die Wasserschale umgeräumt....

Ich war ein bißchen besorgt, setzte mich an den Tisch und durfte feststellen, daß man mich komplett vergessen hatte beim Decken.

Zuerst war es kurz ein bißchen ein trauriges Gefühl und dann kam plötzlich Wut in mir auf. Völlig unterzuckert saß ich da, Keiner hatte auch nur ein minifuzzeliges Danke gesagt, daß ich mich nochmal auf den Weg gemacht hatte...Alle saßen da und aßen und ich hatte noch nicht mal einen Teller.

Ich konnte nicht anders als wüted und traurig reingehen. Ich hab dann Butterrbrot gegessen. Hatte vermutlich einen Blutdruck von 200/ 150 . Dann fielen mir die mails ein, die ich noch dringend erledigen musste, aber Internet war ja tot. Ich habe auf dem Fenster gerufen, ob denn mein Vater mal nach seinem Router gucken kann. " Ich soll mich jetzt mal beruhigen" es sei alles nicht so wichtig : Oh doch ! Manche mails sind sehr wichtig.

Ich bin rumgelaufen,wie ein Tiger im Käfig. Madame kam rauf zu mir, und wollte unbedingt was gutes für mich tun und sie hat nach dem Hasen gesehen, der immernoch nicht aus seiner Höhle kam.

Alles Scheiße!
"Die kriegt sich schon wieder ein! " sind die Kommentare meiner Schwester und meines Vaters gewesen. Ich sei immer so!

Ich finde das eine Frechheit. Nur weil man so unsensibel ist, daß man nicht sehen kann, daß jemand völlig am Ende seiner Kräfte ist, der aber dafür sorgt, daß Abendessen auf den TIsch kommt und dann deckt man noch ncihtmal für den und gibt dem auch kein Stück Pizza, sagt kein noch so fitzeliges Danke und versteht nicht, daß eben manche Mails doch sehr wichtig sein können. Nur deshalb bin ich wieder die Dumme, die eben austickt.

Ich grolle immer noch innerlich. Das Internet ging wieder, nachdem meine Schwester am Router rumgedoktert hat, Pizza habe ich keine bekommen, der kleine Hase ist immer noch ganz scheu. Den völlig chaotischen Garten haben die Kinder und ich aufgeräumt. Eigentlich wollte ich es nicht, aber die Erfahrung hat mich gelehrt, daß es dann eben keiner tut. weil Ästhetik ein Fremdwort in meiner Herkunftsfamilie ist. Und dann kann ich es auch gleich machen.


Kommentare:

  1. Hmmm ... wollte dir wenigstens kurz Feedback geben, dass ich dir grad "zugehört" habe, weiß nur auch grad keine Lösung. Schade, dass dein Vater, wenn ihr schon im selben Haus wohnt, dich so gar nicht unterstützen mag/kann. Seine Freundin scheint leider auch keine Hilfe zu sein ...
    Du hast einen Garten am Haus. Kannst du den anderen Garten nicht aufgeben? Er macht doch nur eher Arbeit, als dass er dir Entspannung bietet! Dann hättest du schon mal eine Baustelle weniger.
    Die Hasen kann man ja nicht einfach weggeben, versuche doch da mal die Kinder mehr in die Verantwortung zu nehmen.
    Wenn der Putzfrau Dinge kaputt gehen, dann sprich sie darauf an! Die sind versichert und haben das zu ersetzen. Unsere hat letztens aus Versehen einen Lautsprecher vom Tisch geworfen und das gleich ihrer Versicherung gemeldet und gut war. Belaste dich nicht unnötig, indem du dich nur ärgerst, aber nichts sagst!

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  2. Danke Dir für das Feedback.
    Das mit dem anderen Garten aufgeben, das wäre eine Option. Ich kann es nicht. Der Garten ist mein Refugiium, denn wie gesagt, hier ist man zuweilen sehr unsensibel. In punkto heimwerkerische Tätigkeiten nach Mitternacht, Bestellung von z.b. dem Schornsetinfeger in der einzigen freien viertelstunde in der Woche ohne mit Bescheid zu sagen, Einladung von Musikern, die in unserm Wohnzimmer musizieren, weil hier das Klavier steht ( auch ohne Vorankündgung)...
    Es ist gut zu wissen, daß es einen Ort gibt, zu dem ich "fliehen" kann.

    Der Garten ums Haus wäre schön. Er ist leider völlig verwahrlost und teilweise mutwillig zerstört mit massivem Ascheeinsatz im Beet. ( Ein Eimer Asche pro halbem Quadratmeter killt erstmal alles für die nächsten 2-3 Jahre ) Nun hatte ich mich mit Madame dem einen Beet wenigstens mal angenommen, habe viel investiert, nicht nur Zeit sondern auch Geld. Die Kinder haben Sonnenblumen vorgezogen, die reausgepflanzt, vor den Schnecken verteidigt, Mein Vater hat sie dann abgeschnitten und in eine Vase gestellt. Monsieur konnte nur noch heulen, als er das entdeckt hatte.

    Solche SItuationen gibt es hundertfach und ich sollte hier einfach nicht viel Energie reinstecken. Es ist zu frustrierend. Meinen Vater werde ich nicht mehr ändern.


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